Sind wir alle computersüchtig?

Veröffentlicht auf 10. September 2012

Nein, natürlich ist nicht jeder, der täglich mehrere Stunden am PC verbringt, schon computersüchtig oder gefährdet, dennoch greift das bisher noch relativ unerforschte Phänomen Computersucht mehr und mehr um sich.  


So unentbehrlich Computer für die Meisten von uns geworden sind für Arbeit, Hobby, Spiel und Spaß, so gefährlich sind sie leider inzwischen für viele Menschen geworden. Man spricht von pathologischem Computer- und Internet-Gebrauch, und Betroffene geben sich mittlerweile in psychiatrischen und psychotherapeutischen Praxen sowie in Einrichtungen für Suchtmedizin die Türklinke in die Hand, um entsprechend fachärztliche oder therapeutische Hilfe zu finden.

 

Weit über eine halbe Million Menschen in Deutschland sollen computersüchtig sein, und für weitere 2,5 Millionen sei zumindest der Umgang mit dem PC problematisch, wobei die Dunkelziffer durchaus höher liegen könnte, da viele das Problem nicht erkennen oder für sich selbst nicht wahrhaben wollen, so wie es auch bei anderen Suchterkrankungen oftmals der Fall ist.

 

Computer- und Internetsucht kennt keine Altersbegrenzung und zieht sich genau wie andere Suchterkrankungen durch alle gesellschaftlichen Schichten. Zumeist sind nur die Gründe, die zu einem exzessiven Computergebrauch geführt haben, als unterschiedlich anzusehen. 

 

Da gibt es das übermäßige Interesse an Computerspielen, Online-Spielen oder an Online-Glücksspielen, das übersteigerte Kommunikationsbedürfnis durch exzessiven Gebrauch von Social-Media, Chatten in Chatrooms, Foren, E-Mail-Verkehr etc., das übersteigerte Informationsbedürfnis mit der ständigen Suche nach neuen Informationen im Netz, es gibt den Kaufrausch per Mausklick genauso wie die exzessive Nutzung von Download-Angeboten bis hin zum übersteigerten Interesse an sexuellen oder pornografischen Inhalten, die das Web bietet.

 

Und so wird von Computersucht, Online-Kaufsucht, Online-Kommunikationssucht, Online-Informationssucht, Online-Sexsucht, Computerspielsucht, Online-Spielsucht und Online-Glücksspielsucht gesprochen, obgleich diese Begrifflichkeiten nicht ganz korrekt sind, denn die exzessive, pathologische Computer-, Computerspiel- und Internetnutzung ist nicht als Krankheit klassifiziert, da sie wie andere substanzfreie Suchtformen nicht auf einem Substanzmittelmissbrauch (Drogen, Alkohol, Tabak etc.) beruht.

 

Insofern gibt es ggw. keine namentlichen Diagnosen und auch keine über die Leistungskataloge der gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnungsbare Therapien. Denn dem Computer selbst wird beim ggw. Stand der diesbezüglichen Forschung keine Ursache für ein aus seiner Nutzung entstehendes krankhaftes Verhalten zugeschrieben.

 

Wenn von exzessiver Nutzung gesprochen wird, die gesundheits- und persönlichkeitsgefährdende Formen angenommen hat, von pathologischer Nutzung, sofern es zwanghafte Formen annimmt, kann eine Störung der Impulskontrolle und somit eine Verhaltensstörung vorliegen.  Zwanghaft bedeutet, dass für die Betroffenen der Druck, Zeit am Computer zu verbringen, so stark ist, dass vielfältige Aufgaben sowie viele als normal geltende Bedürfnisse im realen Leben komplett vernachlässigt werden.

 

Therapien zielen daher auf die Behandlung der mangelhaften Impulskontrolle oder auch auf die Behandlung möglich vorliegender Depressionen, sozialer Ängste, Störungen des Beziehungsverhaltens, Borderline-Erkrankungen, Persönlichkeitsstörungen etc., da diese Krankheitsbilder häufig als Symptomatik bei Patienten, die einen auffälligen bis bedenklichen Umgang mit dem Computer zeigen, vorliegen.

 

Woran erkennt man denn nun für sich selbst, ob man schon zu den Betroffenen gehört?

 

Als erstes Anzeichen gilt sicherlich die Erkenntnis, dass man insgesamt viel zu viel Zeit am PC verbringt, andere Sachen nur zu gerne verschiebt oder vernachlässigt, sich die Nutzung medialer Inhalte und Möglichkeiten irgendwie verselbständigt und automatisiert hat, dass man meint, ohne Computer/Internet nicht mehr leben zu können.

 

Deutlichere Anzeichen können sein:


1.      Ständiges Verlangen nach Computer und/oder Internet

2.      Zeitplanung zugunsten des Computers

3.      Zunehmendes Desinteresse an anderen Dingen

4.      Vernachlässigung anderer und wichtigerer Aufgaben

5.      Unkonzentriertheit und leichte Reizbarkeit bei Störungen

6.      Selbstisolation durch Vernachlässigung realer sozialer Kontakte

7.      Störungen im Essverhalten

8.      Gesundheitliche Probleme als Folge zu langer PC-Nutzung

9.      Finanzielle Probleme als Folge exzessiver Nutzung kostenabhängiger Online-Angebote

10.    Vernachlässigung der Hygiene

 

 

Computer und Internet führen bei betroffenen Personen zu einer Einengung des Verhaltens, da sie zur wichtigsten Aktivität werden, Denken, Fühlen und Handeln bestimmen. Negative Gefühlszustände werden damit reguliert, ein Mausklick als angenehme Entspannung oder Erregung empfunden und in ungeeigneter Weise zur Stressbewältigung eingesetzt. Gleiches trifft auf Suche nach permanenter Anerkennung zu, die von den Betroffenen vermeintlich in Social Networks, Chatrooms, Foren etc. gefunden werden kann.

 

Es kommt zu einem zeitlichen Kontrollverlust beim Gebrauch von Computer und Internet, ebenso zu Entzugserscheinungen, sofern keine Nutzungsmöglichkeit besteht, gleichfalls zum Rückfall nach abstinentem oder kontrolliertem Gebrauch. Trotz bestehender schädlicher Folgen für Gesundheit, Schule, Ausbildung, Arbeit, Finanzen, Freizeitverhalten und Sozialkontakte ändert der betroffene Personenkreis nichts an seiner exzessiven und pathologischen Computer-, Computerspiel- und Internetnutzung.

 

 

Was bedeutet das konkret?

 

Betroffene haben das Gefühl, etwas zu verpassen, sofern sie nicht an den PC können, fühlen sich unwohl, nervös, unausgeglichen, haben den Drang, PC und Internet so oft und lange wie möglich nutzen zu müssen, egal auch für was, für Spiele, Shopping, Sex-Seiten, Tauschbörsen, soziale Netzwerke, Kommunikation, Information.

 

Betroffene brauchen den Blick in den Bildschirm, sind häufig nicht mehr in der Lage, eine reale Zeitung, Zeitschrift oder ein gedrucktes Buch zu lesen, Informationen werden ausschließlich aus dem Internet gezogen, und selbst Nachrichten im TV oder Rundfunk sind keine Alternative mehr.

 

Betroffene sind nur noch auf PC und Internet fixiert, wichtige Termine, selbst dringend nötige Arzt- oder Therapietermine, werden als unwichtig deklariert, abgesagt oder nicht eingehalten, Treffen mit Freunden, Bekannten oder Verwandten werden als unwichtig abgelehnt, notwendige Erledigungen werden verschoben, nur noch auf die Schnelle, ungenügend oder auch gar nicht durchgeführt, der Partner wird vernachlässigt, unter Umständen auch Arbeit, Schule, Ausbildung, Studium usw., der Haushalt wird vernachlässigt, ebenso frühere Hobbys, schlimmstenfalls auch die eigenen Kinder oder die Haustiere.

 

Auf sämtliche Störungen, wie Fragen, Vorhaltungen, Ablenkungsversuche etc. während der PC-Nutzung wird desinteressiert bis gereizt reagiert, insofern können reale Menschen als störend empfunden werden, was nicht selten zur sozialen Isolation führt. Kommunikation findet hauptsächlich nur noch über PC und Internet statt, Computer- oder Internetausfälle werden zum Weltuntergang.

 

Es treten Störungen im Essverhalten auf, Hungergefühl wird nur noch sekundär behandelt, der Computer hat Vorrang. Gleichzeitig kann mit der exzessiven Computernutzung ein erhöhter Konsum von Alkohol und/oder Tabak und auch von Medikamenten einhergehen. Die körperlichen Signale werden nicht mehr beachtet, einsetzende Müdigkeit, Probleme mit den Augen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magenschmerzen etc. werden zugunsten der Computer/Internetnutzung verdrängt oder durch Selbstmedikation vorübergehend auszuschalten versucht.

 

Gesundheitliche Folgen wie Ein- und Durchschlafstörungen, Muskelabbau, ungesunde Veränderungen an der Hals- und Lendenwirbelsäule, Gewichtszunahme aufgrund mangelnder Bewegung oder Gewichtsabnahme durch gestörtes Essverhalten, Konzentrationsstörungen, Verschlechterung des Hautbildes, der Augen etc. werden weitgehend ignoriert, ebenso mitunter auch die eigene Körperhygiene der PC-Nutzung untergeordnet. Betroffenen fehlt sowohl das Interesse, als auch die Zeit für diese Dinge.

 

Durch exzessiven Gebrauch von Online-Glücksspielen oder kostenpflichtigen PC- und Online-Spielen kann Verschuldung auftreten sowie auch den Verlust von Besitztümern zur Folge haben. Gleiches kann zutreffen bei übermäßigem Online-Shopping, wenn nahezu sinnlos im Internet eingekauft wird, ohne die Waren tatsächlich zu benötigen. Suchtartiger Gebrauch von Online-Sex-Angeboten kann ebenfalls zur finanziellen Verschuldung führen sowie zu Störungen im realen Sexualleben und zu Selbstzweifeln aufgrund nicht erfüllter Ideale im realen Leben.

 

Durch Kontaktverluste und Selbstisolation können außerhalb der virtuellen Welt vermehrt psychische Probleme auftreten, wie u.a. Einsamkeitsgefühle, Selbstzweifel, Schüchternheit, sogenannte Weltfremdheit, Minderwertigkeitsgedanken, soziale Ängste, Panikattacken, Unmotiviertheit, pessimistische Zukunftsprognosen, Leidensdruck, depressive Verstimmungen und vieles mehr.

 

Was kann man für sich selbst tun?

 

Da es wie gesagt jeden treffen kann, Kinder, Jugendliche, Rentner, Berufstätige, Hausfrauen, Arbeitssuchende, Studierende, Akademiker,  Prof. Dr. xy ganz genauso, wie den einfachen Nachbarn oder die nette Hausfrau von nebenan, sollte jeder für sich überprüfen, inwieweit er einer Gefährdung unterliegt oder gar schon zum betroffenen Personenkreis der exzessiven und pathologischen Computer-, Computerspiel- und Internetnutzer zählt.

 

Wer zur Einsicht gelangt, diesbezüglich bereits einige Probleme zu haben, kann es aus eigener Kraft versuchen, sein Computer- und Internetverhalten zu verändern. Das kann man damit erreichen, dass man sich gezielt Tätigkeiten sucht, die ohne PC und insofern auch ohne Internet realisierbar sind. 

 

Öfter mal einen ganzen Tag einlegen, der Computerfrei bleibt. Und dabei auch das eigene Bewusstsein schärfen, wie abhängig man möglicherweise schon von Computer und Internet ist. Und so gilt es, dagegen etwas zu tun. Die berufliche oder schulische PC-Nutzung ist natürlich nicht antastbar, aber bezogen auf die eigene Freizeitgestaltung lässt sich eine Menge verändern.

 

Und ich spreche da auch aus eigener Erfahrung, denn mein Hobby Webdesign führte in der Vergangenheit dazu, dass ich zeitweise Tag und Nacht am PC gesessen habe und das mitunter durchgehend wochenlang. Es ist mir nicht gut bekommen, und seit ich bezogen auf Auträge auch mal NEIN sagen und den PC auch PC sein lassen kann, ohne ihn ständig nutzen zu müssen, hat sich meine Lebensqualität im Rahmen meiner Freizeit um einiges verbessert.

 

Es scheint wichtig, die Zeit am Computer kontrolliert zu verbringen, auf Uhrzeiten zu achten, sich ein Ziel zu setzen, nach welcher Zeit der PC abgeschaltet wird, dies auch einzuhalten und vor allem auch durchzuhalten. Da zählt sowohl die Vernunft, als in besonderer Weise auch der eigene Wille.

 

Aber wer dies nicht schafft, trotz guter Vorsätze weiterhin exzessive PC- und Internetnutzung betreibt, hat die Möglichkeit, sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden oder sich fachärztliche und psychologische Hilfe einzuholen. Denn man sollte bedenken, es ist zwar ggw. nicht als Krankheit deklariert, nichts desto Trotz ist es ein sehr ernstzunehmendes Problem, was körperlich und psychisch krank machen kann.

 

 

Und auch ich habe jetzt lange genug am PC gesessen, schalte ihn wieder aus und kümmere mich um andere Dinge…., denn mein Computer läuft mir nicht weg, und das Internet hat Morgen definitiv ja auch noch geöffnet.....   ;-))  

 



 

Geschrieben von ilozies-webdesign

Veröffentlicht in #Buntes Allerlei

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Henry 09/14/2012 18:25

Wau, bin schocking, trifft ja fast alles auf mich zu. Danke für dieses Posting.

Lara 09/12/2012 10:30

Ich spiele und chatte sehr oft, meine Mutter sagt ich wäre intrnetsüchtig.Freunde von mir sagen das auch,ich sitze oft lieber an meinem Netbook.

Gregor M. 09/10/2012 22:50

Interessant und zutreffend habe auch Probleme und bin zuviel online. werd einiges ändern.